Die Mitglieder von Coppelius begegneten sich das erste Mal am 30. September des Jahres 1791 bei der Uraufführung von Mozarts „Zauberflöte“ in Schikaneders Theater in Wien. Der Zufall wollte es, dass man der Aufführung in derselben Loge beiwohnte. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass sich Max Coppella und Graf Lindorf zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre kannten und ihr Diener Bastille ebenfalls zuvor aus Frankreich zu ihnen geflüchtet war. Nachdem man seine Herrschaften der Guillotine übergeben hatte, gelangte er begünstigt durch seinen guten Ruf sofort zu dieser neuen Stellung.

Die Tatsache, dass die erste Aufführung von Coppelius erst im Jahre 1803 zustande kam, lässt sich dadurch erklären, dass man dieser Art von Musik mit Widerstand entgegen zu treten versuchte. Man bezeichnete Coppelius‘ Konzerte unter anderem als „Skandal“ oder auch „Teufelsspiel“. Des Weiteren hatte Nobusama, der erste Schlagzeuger der Kapelle, in den ersten Jahren seines hiesigen Aufenthaltes einige Schwierigkeiten, sich an die europäischen Gepflogenheiten zu gewöhnen. Herr Voss vereitelte ein ums andere Mal das Stattfinden todbringender Duelle.

Von 1815-1822 fand unter widrigen Umständen die erste europäische Konzertreise statt. Während wir es seit neuestem kennen, dass musikalische Gruppierungen in wenigen Wochen ganz Europa bereisen, war eine Konzertreise zu damaliger Zeit mit sehr viel mehr Schwierigkeiten behaftet. Schlechte Straßen und unbequeme Reisefuhrwerke, Unwetter sowie unzählige Zollstationen taten ihr Übriges, die erste Tournee in zeitliche Längen zu ziehen. Dennoch erinnert man sich bei Coppelius, wie es scheint, gern daran zurück, auch wenn es schwierig ist, den Herrschaften genauere Informationen hierzu zu entlocken, wie:
„Wir wagen es nicht, von jenen delikaten Anekdoten zu berichten, die sich in unserem ersten Tourneegefährt zutrugen.“ Oder: „Bei unzähligen Anlässen, wurde uns die Ehre zuteil, den Saal durch ein rasendes Publikum an den Rand seiner architektonischen Grenzen zu treiben.“

Die Freundschaft zu E.T.A.Hoffmann hat für Coppelius eine besondere Bedeutung. Man hat immer wieder behauptet, dass sich der Name der Gruppe aus einer Erzählung des romantischen Schriftstellers herleitete, indes muss hier korrigiert werden. Hoffmann gehörte quasi zur Riege der Sandkastenfreunde von Coppelius und er wurde durch diese lange Kindheitsbeziehung in seinem späteren Schaffen maßgeblich geprägt. Hoffmann nämlich bekam als Kind des Öfteren Sand in die Augen gestreut, was ihn derart traumatisiert hatte, dass seine Erzählung „Der Sandmann“ zu einer solch düsteren Geschichte avancierte. Der Name „Coppelius“ tauchte dann in jener Nachtgeschichte auf und erst zu diesem Zeitpunkt wurde den Herrschaften bewusst, was sie mit dem Sand angerichtet hatten. Graf Lindorf hierzu: „Dass der ‚Sandmann‘ uns derart verfolgen würde, war nicht zu ahnen, es ist indes nicht so, dass wir Ernst Theodor deshalb verflucht hätten.“

Auch Beethoven ist in diesem Zusammenhang unbedingt zu erwähnen. Die Tatsache, dass der Zeitpunkt seines Ertaubens circa mit dem Jahr 1800 angegeben wird, scheint dabei kein Zufall zu sein. Max Coppella hierzu: „Unglücklicherweise verbot Ludwigs Arzt ihm eines Tages kurze Hand, unseren Konzerten beizuwohnen.“ Auch zeigten sich zu jener Zeit erstaunliche Gemeinsamkeiten im Hinblick auf die Frisurgestaltung der Musiker.

Im Jahre 1815 gelang es durch Beziehungen zum Militar ein Konzert in die Wege zu leiten, welches man heute als einen Wendepunkt in der Historie von Coppelius bezeichnen darf. Man spielte auf den Feld- herrenhügeln von Waterloo! Während dieses legendären Konzertes gelang man zu der Einsicht über die Notwendigkeit galvanischer Lautverstärkung, da es kaum gelang, gegen die alles übertönenden Schlachtgeräusche anzukommen.

Daraufhin traten Comte Caspar und Graf Lindorf auf einer Italienreise erfolgreich in Kontakt zu einem Physiker namens Spalanzani, der Coppelius bei der Verstärkung ihrer klassischen Instrumente behilflich sein konnte. Von nun an war es nicht nur möglich, auf den Schlachtfeldern Europas klanglich zu bestehen, sondern konnte die immer größeren Konzerthallen bis in die hinteren Reihen erreichen. Auch bei dem Konzert von London 1851 waren, trotz oder gerade wegen des für damalige Zeiten so skandalösen Umgangs mit klassischen Tonwerkzeugen, die Säle restlos gefüllt.

Eine glückliche Verbindung mit dem Direktor des Deutschen Patentamtes begünstigte zahlreiche Konzerte, die anlässlich der Patentnahme neuester Erfindungen gegeben wurden. Diese Konzerte waren zwar oftmals in kleinstem Rahmen gehalten und die Herrschaften von Coppelius verbinden sehr positive Erinnerungen. Besonders Bastille profitierte von solchen Gelegenheiten, da so mancher Prototyp in den coppelianischen Haushalt Einzug erhielt und Bastille die Dienstbarkeiten erleichterte. Backpulver, Korkenzieher, Gummiband sind nur einige wenige Beispiele.

Eine weitere Anekdote zu einem der zahllosen legendenumwobenen Konzerte: Bei der Gründung von BFC Hertha 92 spielten Coppelius am 25.Juli 1892 auf (selbstverständlich eine Freilicht-Veranstaltung mit bestem Fußball- und Musikspektakel-Wetter) und brachten mit ihrer Musik trotz eines windstillen Sommertags die Fahnen der Anhänger zum Wehen. Als bei dem an diesem Tage stattfindenden Gründungsspiel eine Flanke genau den Kontrabass von Sissy Voss traf, schien die „After-Match-Party“ wie von einer roten Karte getroffen. Jedoch konnten die schon damals großartigen Fans noch rechtzeitig ein Ersatzinstrument beschaffen und Coppelius konnte helfen.

Historische Widrigkeiten sowie private Fauxpas zwangen Coppelius, im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu pausieren. Es darf als gesicherter Fakt angesehen werden, das Max Coppella mit Musizierunfähigkeit dadurch überraschte, dass er diverse chemische Experimente mit seinen Pausen- Erfrischungsgetränken einige Male zu weit trieb. Herr Voss musste durch exzessives Spielen auf den sehr dicken Kontrabasssaiten mehrmals wegen wund gespielter Finger pausieren. Während Comte Caspar sich durch eine Intrige aus der Pariser Oper ausgeschlossen sah, war Graf Lindorf durch seine tiefgreifende Affäre zu einer Schönheit namens Olympia für einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Dies und anderes trug dazu bei, die coppelianische Anhängerschaft auf mehrere Jahre warten zu lassen, was den Andrang vor den Konzertkassen nur noch steigerte.

Bei den Recherchen, die das Leben der Herrschaften vor Coppelius‘ Gründung ans Licht fördern sollten, waren unüberwindbare Grenzen gesetzt. Kein Dokument konnte hierzu aufgefunden werden und auch die Herren schienen sich nicht an eine solche Zeit erinnern zu können. Bei einer Befragung entspann sich der folgende Wortwechsel:

Graf Lindorf: Ein Leben vor Coppelius? Ihr beliebt zu Scherzen. Vielleicht meint Ihr die kurze Zeit des Übergangs, in der einige von uns bei der Hinrichtung König Ludwig des XVI. gesehen wurden.
Le Comte: Nein nein, Herr Graf, ich glaube, diese Frage zielt auf die Zeit ab, welche wir zwischen den Konzerten verbrachten.
Graf Lindorf: Mitnichten! Könnte mit der Frage indes nicht der Abschnitt gemeint sein, den wir in Vorbereitung auf das Feldherrenkonzert zu Waterloo verbrachten?
Le Comte: Ich glaube, auch hier irren Sie, werter Graf. Vielmehr soll es sich wohl um jene Zeit handeln, die wir unmittelbar vor unseren Auftritten hinter der Bühne zubrachten.
Graf Lindorf: Nun meine ich, Sie korrigieren zu müssen, Le Comte. Ohne Zweifel ist die Epoche vor Coppelius‘ erstem Konzert 1803 anlässlich der Feierlichkeiten zur Entdeckung des Morphiums gemeint.
Le Comte: Ich bitte Sie! Alles dreht sich vermutlich um unseren Aufenthalt an der Luxemburgischen Reiterakademie.
Graf Lindorf: Damit könnten Sie Recht haben.
Le Comte: Ihre Annahme ist indes ebenso wenig von der Hand zu weisen, Herr Graf.
Graf Lindorf: Oh, nicht doch, ich muss Ihnen ohne Einschränkung zustimmen!
Le Comte: Verzeihen Sie, dass ich Ihnen so schnöde ins Wort zu fallen wagte.
Graf Lindorf: Das Bedauern liegt ganz auf meiner Seite.
Le Comte: Ich bitte Sie.

Darauf angesprochen, wie sich im Laufe der Jahrhunderte jene Allianzen mit dem schönen Geschlecht ausgenommen hatten, reagierten die Herrschaften z.T. mit leuchtenden, z.T. mit nachdenklichen Augen. Selbst wenn sich einige Zeugnisse finden ließen, welche Aufschluss über etwaige Damen, Comtessen oder Geishas zu geben vermochten, ist es doch die Diskretion, die mich zwingt, zu schweigen. Es soll daher lediglich wiedergegeben werden, was die Herrschaften selbst hierzu äußerten; Comte: „Es war uns immer innigste Freude und höchster Lohn, wenn ein sittsames Fräulein durch den sinnlichen Genuss der zarten Töne vor Scham leicht errötete. Vielleicht nur ein kleines Detail, doch es ist uns nie entgangen. Wertvoller noch als schwunghaft auf die Bühne beförderte Blumen oder Kleidungsstücke war uns dies.“ Ein melancholischer Coppelianer hierzu:

„Schwerlich anzusehen war, wie die Zeit zum arglosen Räuber wurde und auf welche Weise der Abschied zu so mancher Dekade gehörte wie das Fallen der Blätter im Herbst.“